Isla de la Plata und das Fischerdorf Puerto Lopez

Aufgrund der kurzen Distanzen in Ecuador konnten wir bald das Fischerdorf Puerto Lopez erreichen und fanden knapp hinter dem Hotel Mandala einen schönen und ruhigen Stellplatz direkt am palmenbewachsenen Sandstrand. Zu dieser Jahreszeit besuchen Touristen aus aller Welt das ansonsten verschlafene Fischerdorf um Buckelwale zu beobachten, die die Wintermonate von Juli bis September in den wärmeren ecuadorianischen Gewässern verbringen. Bereits bei unserem ersten Erkundungsgang in den Ort versuchten uns mehrere Tourenanbieter für sich zu gewinnen. Wir überlegten nicht lange und buchten die billigste Tour für den nächsten Tag. Am nächsten Morgen ging es mit einem 300 PS starken Motorboot und 10 anderen Touristen in voller Fahrt über den Pazifik. Der Bug des Bootes sprang bei jeder entgegen rollenden Welle weit aus dem Wasser um gleich darauf mit einem heftigen Platscher wieder ins Wasser zu donnern. Klatschnass und leicht frierend war bereits die Insel in Sicht gekommen, als auf einmal Wale in der Nähe auftauchten. Der Kurs wurde geändert und wir folgten einer Walfamilie. Um besser sehen zu können kletterten wir auf das Dach des Bootes, das bedrohlich wankte. Mit gezückter Camera und ausgefahrenem Teleobjektiv stellte sich die Fotojagd auf dem schwankenden Bootsdach als äußerst unangenehme Angelegenheit heraus. Martin drückte Anna zur Fixierung mit aller Kraft gegen die Reling, die jedoch nur aus einer Schnur in Hüfthöhe bestand.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Wie auf Bestellung schwamm nun eine Walfamilie neben unserem nun ganz langsam fahrenden Boot. Aus allernächster Nähe konnten wir die Größe dieser sanften Tiere erst so richtig erfassen. Fasziniert konnten wir für mehrere Minuten die bis zu 30 Tonnen schweren Buckelwale beobachten. Glücklich über diese beinahe berührende Begegnung nahmen wir wieder Fahrt auf und erreichten bald darauf die Isla de la Plata die zum Nationalpark Machalilla gehört. Wir hatten Glück und bekamen mit zwei Portugiesen einen eigenen Guide. Zu viert entschieden wir uns für einen längeren Rundgang auf der Insel um mehr Vogelarten beobachten zu können. Es dauerte auch nicht lange bis der erste Blaufusstölpel mitten auf dem Weg sein Nest bebrütete. Neben diesen sehr putzigen Tierchen, die uns mit ihrem Watschelgang ein bisschen an die Pinguine in Argentinien erinnerten. Zurück auf dem Boot gab es eine kleine Stärkung. Wir wunderten uns warum die Guides die Abfälle der Melonen ins Wasser warfen. Doch wieder wie auf Kommando tauchten kurz darauf mehrere riesige Wasserschildkröten direkt neben dem Boot auf und knabberten gierig an den Melonenresten.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Unser Glück schien kein Ende zu nehmen und so fuhren wir begleitet von einer großen Delphinschule zu einem geeigneten Schnorchelplatz. Auch hier funktionierte der Trick mit den Essensresten wieder hervorragend um wunderschöne bunte Fische anzulocken. Kurz darauf mussten wir jedoch schon die Rückreise antreten, da das Meer am Abend immer wilder wurde. Bei der Rückfahrt erzählte uns ein junger Helfer, dass für eine Fahrt zur Isla de la Plata etwa 180 Liter Treibstoff benötigt werden. Trotzdem waren wir glücklich über den mehr als geglückten Ausflug und erreichten durchgeschüttelt und nass den Strand von Puerto Lopez. Wie eine richtige Prinzessin wurde Anna von ihrem Prinzen Martin vom Boot zurück an Land getragen um keine nassen Füße zu bekommen – auch Strumpfhosen haben Vorteile!
Ein weiteres Highlight stellte für uns das tägliche rege Treiben der frühmorgens zurückkehrenden Fischer dar. Haie, Thunfische, Krabben und was noch so alles im Meer schwimmt oder krabbelt wurde jeden Morgen teils direkt vom Boot feilgeboten, in großen Mengen kistenweise in Laster gekarrt oder auch gleich direkt am Strand filetiert. Dieses Schlaraffenland ließen sich nicht nur unzählige Vögel nicht entgehen, sondern auch wir nicht. Da jedoch Thunfisch und Co. nur im Stück verkauft wurden, suchten wir uns das kleinste Exemplar heraus und hatten trotzdem für 5 $ ausreichend Fisch für vier Mahlzeiten. Einfacher stellte es sich heraus fertig filetierte Fische zu kaufen die sich hervorragend in Ceviche und zahlreiche andere Leckereien verarbeiten ließen. Die Ceviche- Sucht hatte uns bereits in Peru erfasst. Das dortige Nationalgericht, bei dem roher Fisch in Zitrone “gekocht” wird und mit Zwiebeln und viel Chili serviert wird ist nicht nur kinderleicht in der Zubereitung, sondern auch wunderbar erfrischend und immer wieder köstlich.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Als sich eines Tages endlich die Sonne blicken ließ beschlossen wir den Strand “Los Frailles” der auch zum Machalilla Nationalpark gehört zu besuchen. Endlich konnten wir auch unseren Sonnenschirm auspacken und genossen den ersten Strandliegetag unserer Reise. Leider hielt dieses sonnige Vergnügen nicht länger an und bereits am nächsten Morgen begrüßte uns wieder der uns nun schon gut bekannte Küstennebel.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Hatun Machai – Sportklettern auf 4.300m

Zurück vom Pisco genossen wir wieder die touristische Infrastruktur in und um Huaraz. Eigentlich tänzelte der Alpamayo schon länger in unseren Hinterköpfen herum. Als wir uns jedoch Auskünfte über den Preis für eine Besteigung mit Führer einholten, wollten wir unseren Ohren beinahe nicht trauen. Da wir auch unlängst so manch negatives über die lokalen Guides gehört und gesehen hatten, bestärkte uns dies weiter von einer Besteigung abzusehen. Es gab ja auch noch weitere schöne Berge hier und der Alpamayo würde wohl auch noch ein paar Jährchen auf uns warten…
In Huaraz lernten wir den Schweizer Lukas kennen, der uns noch seine beiden Freunde Sabrina und Remi vorstellte. Nachdem für die nächsten Tage Schlechtwetter angesagt war beschlossen wir gemeinsam in die wetterbegünstigte Cordillera Negra in das berühmte Sportklettergebiet Hatun Machai zu fahren. Carlos freute sich so viele Gäste wie noch nie herumkutschieren zu dürfen. Doch um noch mehr Aufmerksamkeit zu erlangen ließ Carlos prompt auf der steinigen Straße bei einem seiner Reifen die Luft ausgehen. Doch bei so vielen Reisenden ging das Reifenwechseln wie im Flug und Carlos, motiviert von 10 Händen die sich um ihn kümmerten, erklomm noch tapfer die restlichen fehlenden Meter bis kurz vor dem Refugio Schluss war. Lukas stellte sein Zelt auf, Sabrina und Remi organisierten sich einen Schlafplatz in der Hütte und wir versuchten einen halbwegs ebenen Stellplatz zu finden. Doch auch in dieser entlegenen Gegend freute sich Carlos gebührender Aufmerksamkeit: Ein Österreicher, der in Lederhosen die Hütte betreute und ein weiterer österreichischer Gast wunderten sich über das heimische Kennzeichen.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Schon von der Hütte konnte man die ungewöhnlichen Steinformationen erkennen, die eher an einen Wald aus Steinblöcken erinnerten. Wir schnappten unsere Ausrüstung und los ging es. Der griffige und einzigartig geformte Fels mit für Südamerika erstklassig abgesicherten Sportkletterrouten faszinierte uns sofort. Lukas stellte sich als erstklassiger Kletterer heraus und stieg uns so manche Route vor, die wir wohl ohne seine Unterstützung nicht erklommen wären. Am Abend ging es mit müden Händen in das Refugio und nach dem für Schweizer unterlässlichen “Aperöli” (sorry an unsere Schweizer Freunde, wir haben keine Ahnung wie man das schreibt) kochten wir uns einen riesigen Topf Gemüsesuppe und Teigwaren und verbrachten einen lustigen Abend gemeinsam. Auch am nächsten Tag konnten wir noch ein paar schöne Seillängen klettern. Besonders die Routen im Sektor “South Tyrol” faszinierten uns. Doch da sich auch schon unsere derzeit kletterungeübten Fingern und Muskeln meldeten, fiel der Abschied etwas leichter und bei einer tollen Gewitter- und Abendstimmung ging es zurück nach Huaraz.

Huaraz – Cordillera Blanca III

Quebrada Llanganuco & Laguna 69

Nachdem wir nach unserem letzten Bergabenteuer wieder in Huaraz angekommen waren, zügelte unser mangelnder Gesundheitszustand vorerst weitere Bergvorhaben. Eine ruhige Woche mit Auskurieren und gesund werden stand am Programm. Wir freuten uns wieder österreichische Gesellschaft in Huaraz zu treffen. Jeden Tag erblickten wir von der Stadt die schneebedeckten Berge der Cordillera Blanca und so stieg auch täglich die Sehnsucht nach der Natur, so dass wir beschlossen in die Quebrada Llanganuco zu fahren um dort mit der Motivation der nahen Gipfel unsere Genesung zu beschleunigen.
Die Laguna Chinancocha und die Laguna Orconcocha in der Quebrada Llanganuco gehören zu den meist besuchten Touristenzielen in der Umgebung von Huaraz. Dementsprechend viele Busse nehmen die holprige Anfahrt von Yungay im Santa Tal auf sich. Auch uns nahm das türkise Wasser der beiden Seen mit dem Gipfel des Nevado Yanapaccha im Hintergrund in ihren Bann und steigerte unsere Spannung auf die weiteren Naturschönheiten des Tales. Kurz nach der zweiten Lagune fanden wir einen ruhigen Stellplatz für die Nacht.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Um uns auch am nächsten Tag noch etwas auszuruhen beschlossen wir unsere Akklimatisation (passiv) besser auszubauen. Wir fuhren die zahlreichen engen Kehren auf den Pass Portachuelo Llanganuco auf 4.767 m.
Mit jedem zurückgelegten Höhenmeter eröffnete sich uns ein besserer Ausblick auf die umliegenden Fünf- und Sechstausender. Beeindruckt von der Kulisse verweilten wir etliche Stunden direkt auf der Passhöhe. Bevor hinter den Huandoys die Sonne unterging zeigte sich der Chopicalqui auf der anderen Talseite noch in schönstem Abendrot.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Da wir uns in der Zwischenzeit wieder stärker fühlten, wollten wir zu der berühmten Laguna 69 wandern, die angeblich die Schönste im Nationalpark Huascaran sein sollte. Nachdem wir gemütlich in das Ende des Tales gewandert waren, zog sich der Weg in sanften Kehren langsam in die Höhe. Nach knappen zwei Stunden erreichten wir eine kleine Lagune und erblickten erstmals die Steilwand des Chacrarajus. Einige rastende Wanderer ließen uns fast ein bisschen enttäuscht befürchte schon an unserem Ziel angekommen zu sein. Doch nach ein paar weiteren Metern deutete ein Wegzeiger auf den Weiterweg hin. Es galt noch einen kurzen Steilaufschwung zu überwinden bevor wir mit offenen Mündern vor einem wunderschönen, tief türkisblauen See direkt vor einer spektakulären Eiswand standen. Wir hatten uns nicht zu viel von der Lagune 69 erwartet. Der windgeschützte Platz in dieser traumhaften Umgebung lud zu einer ausgiebigen Mittagsrast ein. Wenn nicht der Gletscher in beinahe greifbarer Nähe gewesen wäre, hätte man aufgrund der intensiven Färbung des Wasser beinahe glauben können in der Karibik und nicht auf 4.600 m zu sein.
Peru - Huaraz

The most amazing laguna!


Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Pisco 5.752 m

Motiviert von dieser tollen Wanderung packten wir abermals unsere Bergausrüstung. Carlos stellten wir bei der Kontrollstation des Nationalparks unter. Am nächsten Morgen zwängten wir uns in ein mit etwa 20 Menschen vollgestopftes “Collectivo” (Minibus). Bald waren wir beim 11 km entfernten Ausgangspunkt, der Cebollapampa, angekommen. Um uns den Aufstieg zu erleichtern (und angenehmer zu machen) heuerten wir einen Arriero (Pferdetreiber) an. Trotz unserer leichten Rucksäcke hatten wir keine Chance mit dem Tempo des Einheimischen mitzuhalten. Gemütlich stiegen wir ins Pisco- Basecamp auf etwa 4.600 m auf und suchten uns einen relativ windgeschützten Zeltplatz. Im Basecamp ging es sehr ruhig zu und nur einige andere Zelte leisteten uns Gesellschaft.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Nach einem zeitigen Abendessen begaben wir uns bald in unsere Schlafsäcke um noch ein bisschen Schlaf vor dem Aufstieg zu finden.
Bereits um Mitternacht läutete wieder der Wecker. Nach einem kurzen Frühstück hieß es aus dem wärmenden Zelt zu klettern um noch Wasser für den Aufstieg zu kochen. Pünktlich um 1 Uhr verließen wir im Schein unserer Stirnlampen das Lager und suchten den Anstieg auf der Moräne. Auch zwei geführte Touren folgten. Nach einem kurzen Anstieg musste die Moräne in staubigem Abbruchgelände abgeklettert werden. Zahlreiche “Steinmännchen” zeigten uns den Weg durch das scheinbar undurchsichtige Steinlabyrinth der Moräne. Wir waren dankbar, dass uns in knappen Abstand ein Führer folgte und uns zweimal bei der Wegfindung half. Der Pfad steilte an und ließ uns mit unseren schweren Rucksäcken ordentlich ins Schwitzen kommen. Endlich erreichten wir den Beginn des Gletschers. Mit angelegter Gletscherausrüstung ging es über eine kurze Steilstufe auf den riesigen Gletscher. Mit den nun leichteren Rucksäcken kamen wir auch deutlich schneller voran und waren bald alleine unter einem funkelnden Sternenhimmel. Nachdem wir noch im Dunkeln die beiden Steilstufen überwunden hatten, bestaunten wir kurz vor dem Gipfel einen traumhaften Sonnenaufgang. Motiviert durch die Ausblicke auf die wunderbare Bergwelt der Cordillera Blanca hieß es noch einmal zusammenbeißen und alle Kräfte zu mobilisieren, bis wir als erste an diesem Morgen auf dem wunderschönen Aussichtsberg stehen durften. Wir genossen die Einsamkeit auf dem ausladenden Gipfel und waren beeindruckt von den Ausblicken auf die umliegenden Fünf- und Sechstausender. Doch auch als die geführten Seilschaften auf dem Gipfel eintrudelten verweilten wir noch auf dem Gipfel.
Mit jedem Meter den wir abstiegen stieg die Temperatur, so dass wir uns nach den beiden Steilaufschwüngen aus sämtlichen wärmenden Kleidungsschichten schälten und den Abstieg auf noch über 5.000 m mit kurzen Ärmeln genießen konnten. Nach einer längeren Rastpause hieß es noch einmal unsere Kräfte zu sammeln für den schweißtreibenden Rückweg über die Moräne. Auch im Hellen war bei einigen Stellen die Orientierung nicht zu unterschätzen.
Zurück im Basislager wollten wir uns mit den Essensresten vom Vortag (Polenta mit Tomatensauce) stärken. Obwohl wir zum Schutz vor den weidenden Eseln und Pferden den Topfdeckel mit einem schweren Stein gesichert hatten, fanden wir nur mehr unsere fein säuberlich ausgeputzte Pfanne vor – da hatte sich wohl schon ein anderer über unser Essen gefreut.
Eigentlich hatten wir geplant noch eine Nacht in dem schön gelegenen Basecamp zu verbringen. Da jedoch kurz nach unserer Rückkehr unser Arriero wieder auftauchte und uns mitteilte, dass er für den nächsten Tag bereits anderswertig eingeteilt war, ließen wir uns überreden noch am gleichen Tag abzusteigen. Nachdem wir uns beim Packen und Absteigen viel Zeit ließen kamen wir erst gegen 17.00 Uhr in der Cebollapampa an. Leider erwiesen sich die Voraussagen des Arrieros, dass wir noch problemlos ein Taxi für den Rückweg zu unserem Carlos bekommen konnten, als falsch. Fröstelnd warteten wir zwei Stunden in der Dunkelheit ohne Erfolg. Zwei Autos passierten, gaben jedoch vor keinen Platz für uns zu haben. Auf einmal durchdrang das Licht von Autoscheinwerfern die Dunkelheit. Sofort sprangen wir auf die Fahrbahn. Scheppernd hielt ein alter Geländewagen und bot uns eine Mitfahrgelegenheit an. Auch unser Arriero wollte mitkommen um noch zu seiner Familie zu fahren. Leider konnten wir im Finsteren nicht viel von dem Gefährt erkennen und so packten wir rasch unsere Ausrüstung in den Kofferraum und nahmen dort auch selber Platz. Rumpelnd und klappernd setzte sich der alte Wagen viel zu schnell in Bewegung. Erst während der Fahrt bemerkten wir schlotternd, dass das Auto weder Heck- noch Windschutzscheibe hatte. Umso mehr es auf der Schotterstraße rumpelte, desto mehr lachten die beiden jungen Fahrer. Nachdem sich auch noch die Fahrertür ständig ungewollt öffnete, waren wir so richtig erleichtert als wir völlig durchgefroren bei unserem Carlos ankamen. Jetzt wussten wir auch, dass Autofahren in Peru wesentlich gefährlicher ist als Bergsteigen.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

great weather!

Huaraz – Cordillera Blanca II

Laguna Llaca und der Nevado Vallunaraju 5.680 m

Nach ein paar ruhigen Tagen in Huaraz, die wir zur Informationsbeschaffung und der Organisation einer neuen SOAT (obligatorischen Versicherung für unseren Carlos) nutzten ging es endlich in die Berge. Über eine schlechte und sehr steinige Straße rumpelte Carlos tapfer auf etwa 4.400 m. Direkt vor dem Häuschen des Nationalparkaufsehers war Schluss und wir richteten uns einen schönen Stellplatz für die nächsten Tage ein. Nur wenige Minuten von unserem Camp entfernt lag die Laguna Llaca, ein eisiger Gletschersee vor einer Bergkulisse der Superlative. In den nächsten Tagen wanderten wir das Tal zwischen Felswänden und Moräne entlang und genossen die wunderschöne Landschaft. Den Plan Klettern zu gehen gaben wir aufgrund der sehr alpinen Absicherungen und dem häufigen Eisregen von oben auf. Wir erkundeten noch den ersten Teil des Aufstieges zum High Camp des Vallunaraju und machten uns an die vielleicht schwierigste Aufgabe des Berganstieges – das Rucksackpacken. Um ja nicht zu viel schleppen zu müssen wurde genau überlegt was mit durfte und was im Carlos bleiben musste.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Schlussendlich waren unsere Rucksäcke beide wieder deutlich überfüllt und wir kämpften uns den äußerst steilen und schrecklich sandigen Weg nach oben. Eine kleine Kletterpassage versicherten wir mit Reepschnüren, da wir aufgrund der schweren Lasten unter leichten Gleichgewichtsprobleme litten. Langsam ging es immer weiter in die Höhe und nach knappen 3 Stunden erreichten wir das Moränenlager auf knappen 4.900 m. Auch ein paar andere Bergsteiger aus aller Welt hatten bereits ihre Zelte auf dem angenehmen Lagerplatz aufgeschlagen. Wir waren jedoch (wiedereinmal) die einzigen die am nächsten Tag ohne Guide auf den Gipfel wollten. Wir verbrachten den Nachmittag mit Essen- und Teekochen und suchten noch den Anstieg zum Gletscher. Die Nudeln mit Tomatensauce wollten aufgrund der gatschigen Konsistenz, das Wasser kocht in dieser Höhe leider nicht bei 100°C, nicht richtig schmecken, aber der Hunger war größer und ließ uns alles bis zum letzten Bissen aufessen. Auch die Packerlnudelsuppe stellte kein kulinarisches Highlight dar, erfüllte jedoch ihren Zweck uns zu Wärmen und mit Flüssigkeit zu versorgen.
Am Abend kam noch eine vierteilige Gruppe inkl. Führer ins Basislager. Ein armer Peruaner hatte sich direkt von Lima in die Höhe geschleppt und litt unter starken Höhenproblemen. Als er sich übergab wandten wir uns an den verantwortlichen Bergführer, dieser meinte jedoch nur, dass das nicht so schlimm sei und er morgen zeitig mit einem seiner Gäste aufsteigen werde und dann den Höhenkranken ins Tal bringen würde. Wieder einmal waren wir froh alleine unterwegs zu sein.
Nach einer kurzen, aber nicht zu kalten Nacht – den Daunenpatscherln sei dank – läutete um viertel nach zwei der Wecker und nach einem kurzen Frühstück füllten wir noch unsere Thermoskannen und machten uns um drei auf den Weg. Die anderen beiden Seilschaften waren bereits früher aufgebrochen und so waren wir froh, den Weg bereits am Vortag ausgekundschaftet zu haben. Nach einer knappen halben Stunde in der wir über vom Gletscher abgeschliffene Granitplatten kletterten, erreichten wir den Einstieg, legten die Eisausrüstung an und stapften im Schein unserer Stirnlampen mit nun deutlich leichteren Rucksäcken über den im finsteren endlos wirkenden Gletscher. Eine breite Spur führte uns in den nächsten Stunden vorbei an tiefen Gletscherspalten und Seracs. Im ersten Morgenlicht erreichten wir den Steilaufschwung der uns auf den Gipfelgrat führen sollte. Über gut ausgetretene Stufen erkletterten wir problemlos die Steilstufe und genossen die Aussicht über das kurze ausgesetzte Stück des Grates. Nach ein paarmal innehalten zum kräftig “Durchatmen” auf den letzten Metern standen wir um kurz vor 7.00 Uhr auf dem Gipfel des Vallunaraju und genossen eine tolle Aussicht auf die umliegenden Fünf- und Sechstausender. Vorsichtig machten wir uns an den Abstieg und nachdem wir das steilste Stück zurückgelegt hatten, legten wir in der wärmenden Morgensonne eine wohlverdiente Rastpause ein. Gierig verschlangen wir etliche Müsliriegel und stärkten uns mit Cocatee. Dank der angenehmen Sonnenstrahlung konnten wir uns bald aus unseren Daunenjacken befreien und den Abstieg über den riesigen Gletscher so richtig genießen.
Zurück bei unserem Zelt kam der unangenehme Teil – das Zusammenpacken. Unsere unzähligen Sachen, wollten einfach nicht mehr in die Rucksäcke passen. Mit viel Stopfen und etwas Gewalt schafften wir es unsere Ausrüstung halbwegs gut zu verstauen und machten uns auf den Abstieg über einen anderen Weg, der direkt ins Tal führen sollte und uns von den Führern empfohlen wurde. Es hieß noch einmal alle Kräfte für den Abstieg mit dem schweren Gepäck zu mobilisieren. Die Guides hatten uns jedoch nicht zu viel versprochen und bis auf eine kurze ausgesetzte Stelle erwies sich dieser Weg zwar auch als steil, aber als deutlich angenehmer und sicherer als unser Aufstiegspfad. Auf der Straße angekommen ließ sich ein Taxifahrer, der auf Gäste wartete, von uns erweichen uns für ein paar Soles zu unserem Carlos zu bringen. Als wir diesen wohlbehalten vorfanden, konnten wir uns so richtig über die gelungene Bergfahrt freuen.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Auf dem Weg ins Tal beschlossen wir spontan auf ein kühles Bierchen zum “The lazy dogs Inn” zu fahren. Bei erfrischenden Getränken erfuhren wir mehr über dieses interessante und für uns einzigartige Hotel. Zwei Kanadier hatten sich hier mit ihren Pferden und Hunden niedergelassen und ein Hotel auf sowohl sozial- wie auch umweltfördernder Basis aufgebaut. Im Gespräch wurde uns von den Besitzern angeboten die Nacht hier zu verbringen und lediglich für das Abendessen zu bezahlen. Gerne nahmen wir dieses Angebot an und genossen bald darauf eine herrlich, warme Dusche. Das Abendessen wurde den Gästen gemeinsam an einem großen Tisch serviert. Trotz anregender Gespräche mit den anderen Gästen und den Besitzern zog es uns zeitig zurück in unseren Carlos und nach diesem langen Tag konnten wir unser feines großes Bett wieder richtig schätzen.

Huaraz – Cordillera Blanca I

Der Pastoruri Gletscher und die Puya Raimondi

Die Ausreise aus Lima gestaltete sich gottseidank deutlich einfacher als der Hinweg. Bald befanden wir uns auf der Panamericana Norte.
Je weiter wir uns vom Stadt – und Nobelzentrum entfernten umso ärmlicher und dreckiger wurden die Wohngegenden. Noch lange nach der Stadtgrenze zierten zahllose einfachste Hütten die Straße. Für uns war es wieder einmal unvorstellbar wie die Menschen hier ohne Wasser und Strom lediglich zwischen den Sandkörnern der Wüstenlandschaft leben können.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Wir freuten uns als endlich die Straße nach Huaraz rechts abzweigte und wir die Panamericana verlassen konnten. Die Straße folgte zunächst lange einem fruchtbaren Talboden. Auch den Menschen hier schien es wieder besser zu gehen. Bei Verkaufsständen neben der Straße deckten wir uns noch mit einer ordentlichen Menge an Chirimoyas, den süßen Pepinos und Avocados ein. Um ins Santa-Tal zu gelangen, mussten wir noch einen über 4.000 m hohen Pass überwinden. Schon bei der Überfahrt ließen die ersten schneebedeckten Berggipfel unsere Bergsteigerherzen höher schlagen. Kurz vor dem Örtchen Catac verließen wir das Santa-Tal und machten unseren ersten Abstecher Richtung Huascarán – Nationalpark. Doch die Müdigkeit von der langen Fahrt übermannte uns und wir suchten uns schon kurz nach der Abzweigung einen einsamen und ruhigen Schlafplatz auf etwa 3.900 m. Am nächsten Morgen folgten wir der Schotterpiste weiter und es dauerte nicht lange bis wir den Kontrollposten des Nationalparks passierten. Vorbei an den riesigen Puya Raimondi-Pflanzen schlängelte sich die Straße das Tal weiter nach oben. Plötzlich konnten wir beinahe unseren Augen nicht trauen. Ein T5 California mit französischem Kennzeichen kam uns in dieser Einöde entgegen. Die Autos wurden kurzerhand auf der Straße abgestellt und wir freuten uns Claudia und Michele, die wir bereits in Cusco getroffen hatten, wieder zu sehen. Nachdem wir uns kurz ausgetauscht hatten ging die Fahrt in die Höhe wieder weiter. Der Pastoruri-Gletscher, ein beliebtes Ausflugsziel von Huaraz, stellte unser Tagesziel dar. Wir wunderten uns schon, dass wir noch keine Touristen getroffen hatten und beschlossen noch gemütlich zu Jausnen bevor wir den Spaziergang zum Gletscher starten wollten. Doch auf einmal traf ein Convoy aus Touristenbussen ein. Schnell sprangen wir in unsere Sportschuhe, schnappten die Kamera und machten uns auf den kurzen und breiten Weg Richtung Pastoruri-Gletscher. Bald kamen uns schon die ersten Touristen auf Pferd (um den meist eher unsportlichen Touristen den kurzen Aufstieg auf knapp 5.000 m zu erleichtern stehen etliche Einheimische mit Pferden bereit) entgegen. Unsere Begeisterung über den Gletscher hielt sich in Grenzen, vor allem auch aus dem Grund, dass ein Aufstieg auf den nahen Gipfel verboten war. Auch die Erkundung der näheren Umgebung abseits des Trampelpfades wurde uns untersagt. Wir genossen noch die schöne Aussicht und traten bald wieder die Rückreise in den wärmenden Carlos an. Um nicht ganz so hoch zu schlafen, fuhren wir noch zurück zu den großen Puya Raimondis auf etwa 4.200 m. Am nächsten Morgen packten wir nach einem ausgiebigen Frühstück die Kamera samt Teleobjektiv und machten uns auf den Weg um eine weiter oben am Hang gelegene blühende Puya Raimondi aus der Nähe zu betrachten. Die größte Bromelienart braucht teilweise bis zu 100 Jahre bis sie den längsten Blütenstand der Welt ausbildet. Nach der Blüte sterben die wunderschönen Pflanzen ab. Von der Straße konnten wir zahlreiche abgestorbene und schwarz verfärbte Puyas betrachten. Da wir jedoch unbedingt ein blühendes Exemplar aus der Nähe betrachten wollten, machten wir uns auf den Weg. Wir hatten uns nicht zuviel von dieser einzigartigen Pflanze erwartet. Besonders die zahlreichen Kolibris, die gierig von den Blütenkelchen naschten, faszinierten uns. Da es in dieser Höhe keine Insekten mehr gibt, dienen die flinken Kolibris der Bestäubung. Wir knipsten mit ausgefahrenem Teleobjektiv, bis der Akku seinen Geist aufgab.
Noch am selben Tag machten wir uns auf den Weiterweg nach Huaraz und nach einer etwas nervenauftreibenden Suche fanden wir einen sicheren Stellplatz beim Hotel Santa Cruz.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Gold & Umweltverschmutzung – Back to reality

Nach einem kurzen Abstecher zum städtischen Markt in Puerto Maldonado traten wir am nächsten Tag die Weiterreise auf der Interoceanica an. Doch das landschaftliche Bild hatte sich gewandelt. Wo wir am Vortag vorbei an ursprünglichen Urwäldern gekurvt waren, zeigte sich uns an diesem Tag ein trauriges Bild. Viele Goldgräber hatten sich nahe der Straße angesiedelt und beuteten den Urwald gnadenlos aus. Die Siedlungen aus mit bunten Planen verhängten Hütten bildeten ein abscheuliches Bild.
Jährlich werden im Bezirk Madre de Dios 16.000 – 18.000 kg Gold geschürft. Für jedes Kilo Gold werden etwa 2,8 kg Quecksilber benötigt, die nicht nur zu einer lokalen Verschmutzung führen, sondern über die Flüsse weiter in den Amazonas gelangen. Dabei wird sowohl das Trinkwasser wie auch die Flüsse, die mit ihren Fischen als wichtige Nahrungsquelle der indigenen Bevölkerung dienen, verseucht. Die über 30.000 Goldschürfer von denen 99% illegal arbeiten, haben bereits geschätzte 32.000 ha Urwald zerstört. Auch die für den Tourismus wichtigen Regionen wie die Nationalparks werden von den Goldgräbern nicht verschont. Die Ausbeutung der Natur nahm in den letzten Jahren durch den steigenden Goldpreis rapide zu. Aufgrund der Kontaminierung des gesamten Grundwassers wurde uns auch in Puerto Maldonado vom Genuss des Leitungswassers dringend abgeraten.
Geschockt und traurig über die Menschheit und das allgegenwärtige Verlangen nach Geld (bzw. Gold) fuhren wir den Anden entgegen.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Am nächsten Tag führte uns die Straße kurz nach Ocongate direkt an einem bunten Andenmarkt vorbei. Wir hielten und erlebten ein für uns einzigartiges Spektakel. Bei dem zweitägigen Festival wurden Lamas, Alpakas, Kartoffeln, Schafe, Handarbeitsprodukte etc. einiger, naher Dörfer bewertet und prämiert. Die Sieger erhielten Sachpreise in Form von Reis, Gaskochern und anderen nützlichen Utensilien. Gespannt verfolgten wir die Show und waren verzückt von den bunt gekleideten Andenbewohnern vor der Kulisse des schneebedeckten Aussangate. Die wolligen Alpakas erinnerten uns an flauschige Kuscheltiere.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Nach weiteren knappen zwei Stunden Fahrzeit waren wir in Cusco auf dem Campingplatz Quinta Lala eingetroffen. Die nächsten Tage verbrachten wir mit einer gründlichen Innenreinigung von Carlos und freuten uns wieder andere Autoreisende zu treffen. Gemeinsam genossen wir mehrere Abende am Lagerfeuer. Manfred führte uns in die Kunst des Erdbratens ein, den wir gemeinsam mit einem französisch- kolumbianischen Pärchen verspeisten. Da uns jedoch der Tourismus in Cusco beinahe übermannte und uns nach der langen einsamen Zeit überhaupt nicht zusagte, traten wir bald wieder die Weiterreise über Ayacucho nach Nasca an. Auf dem Weg wurden wir wieder einmal mitten in der Nacht von Polizisten geweckt und kontrolliert.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

In Nasca machten wir nur einen kurzen Zwischenstopp und betrachteten von einem Aussichtspunkt die berühmten Nascalinien. Nach einer ruhigen Nacht in der Oase Huacachina brachen wir zeitig auf um uns noch am frühen Vormittag in Pisco mit frischen, leckeren Fischen einzudecken. Neben Garnelen für Martin kauften wir 1 kg Schwertfischfilet. Den restlichen Tag verbrachten wir mit der Fahrt über die Panamericana Richtung Lima. Die Wüstenlandschaft an der peruanischen Küste wurde durch künstliche Bewässerung fruchtbar gemacht, wobei vor allem riesige Orangen- und auch Gemüseplantagen sich neben der Panamericana erstreckten. Doch so zahlreich wie die glänzenden Orangen, gab es auch etwa ebenso viele Hüttchen aus Strohmatten und Menschen, die mit “Pestizid-rucksäcken” bewaffnet, jedes Pflänzchen einzeln düngten.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Aufgrund der ungewissen Sicherheitslage an der Hauptverbindungslinie beschlossen wir in Lima zu nächtigen. Da wir uns jedoch bei der Anfahrt zum Nobelbezirk Miraflores hoffnungslos verfuhren, erbarmte sich die Polizei uns mit dem Einsatzfahrzeug den Weg zu weisen. Wir wurden streng angewiesen die Fenster zu schließen und die Türen zu versperren, da wir anscheinend nicht einmal hinter der Polizei sicher waren. Nach einigen anstrengenden Fahrstunden erreichten wir endlich das Hitchhikers Hostel bei dem wir auf einem sicheren Parkplatz campieren konnten.
Am nächsten Tag erkundeten wir Miraflores und konnten unseren Augen kaum trauen, als wir einen riesigen Nobelsupermarkt der alles bot was man sich wünschen könnte, genauer unter die Lupe nahmen. Doch dieses “Schlaraffenland” des Konsums hatte auch seinen Preis. Und obwohl uns die leckere Tafel Lindt-Schokolade schon sehr reizte, war sie uns um umgerechnete 6 € einfach zu teuer. Wir entschieden uns eine Flasche Wein (die billigste kostete 5 €!) und eine Flasche Pisco zu erstehen – dazu erhielten wir aber Beratung auf höchstem Niveau.
Das gesellschaftliche Ungleichgewicht in diesem Land könnte nicht größer sein.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Peru

Angekommen bei der peruanischen Grenze freuten wir uns so richtig wieder die spanische Sprache zu vernehmen. Da außer uns nur brasilianische Reisende die Grenze überschritten (und der spanischen Sprache nicht mächtig waren) konnten wir erstmals so richtig mit unseren Spanischkenntnissen auftrumpfen. Unproblematisch und mit ein bisschen Smalltalk hatten wir bald die Grenzformalitäten erledigt. Vor uns lag der im Jahre 2012 fertiggestellte peruanische Teil der Interoceanica. Über eine perfekt ausgebaute Straße, die es wohl mit den neuesten europäischen Straßen aufnehmen könnte, ging es bis Puerto Maldonado durch eine schöne, und relativ heil wirkende Urwaldlandschaft. Im Finsteren erreichten wir die Hauptstadt des Distriktes Madre de Dios und da wir nicht wussten, wo wir die Nacht verbringen sollten, parkten wir Carlos kurzerhand neben einer Polizeistation. Um uns nach dem langen Fahrtag noch ein bisschen die Füße zu vertreten, unternahmen wir einen Erkundungsgang in die Urwaldstadt. Musik tönte von weitem aus Lautsprechern und es schien als hätte sich die gesamte Stadt auf der Plaza und der angrenzenden Fußgängerzone versammelt. Die Einwohner feierten das über 100-jährige Bestehen ihres Departamentos. Dazu waren auch zahlreiche Bürgermeister von anderen wichtigen peruanischen Städten gekommen und nach einem klassischen Konzert tönte auch bald südamerikanische Musik und Mentalität von der Bühne. Wir genossen noch ein paar Pisco-Sour zum Peru-Einstieg, als uns plötzlich lautes Krachen aus unserer beginnenden Müdigkeit riss. Ein riesengroßes Feuerwerk erleuchtete den Urwaldhimmel. Auch die nicht so genauen Sicherheitsstandards in Südamerika konnte man dabei deutlich beobachten, da nicht wenige brennende Feuerwerkskörper direkt neben den begeisterten Schaulustigen auf den Boden fielen. Nach diesem Spektakel machten wir uns müde auf den Rückweg in unseren Carlos.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Ein Ausflug nach Brasilien

Da es keine direkte bzw. offizielle Verbindung von Bolivien nach Peru im Departamento Pando gab, mussten wir einen kurzen Abstecher über Brasilien wählen. Bereits der Grenzübertritt stellte sich als grundlegend anders heraus als alle bisherigen. Ohne jegliche Kontrollen rollten wir über die Grenze und mussten sogar noch etwa zwei Kilometer in den Ort Brasileía fahren bis wir endlich das Grenzbüro antrafen. Eine weitere Schwierigkeit stellten die fehlenden Spanischkenntnisse der Grenzbeamten dar. Für uns war es unerklärlich, dass diese lediglich Portugiesisch sprachen und auch kein Spanisch verstanden. Schlussendlich bekamen wir dank Übersetzungshilfe peruanischer Reisender unsere Stempel. Um auch für Carlos eine temporäre Einfuhrgenehmigung zu erhalten hieß es wieder zurückzufahren und die Aduana aufzusuchen. Diese jedoch schickten uns gleich wieder weiter um sämtliche Kopien anfertigen zu lassen (Pass, Zulassungsschein, etc.). So groß wie die Verwunderung über die seltsamen Grenzformalitäten (man könnte problemlos einfach illegal einreisen) und die komischen Sprachlaute war auch die Tatsache, dass es auf einmal wieder jede Menge Supermärkte gab. Nach einem kurzen Einkauf ging es aber endlich auf die asphaltierte Interoceanica. Doch auch hier kamen wir nicht aus dem Staunen heraus. Wo in Bolivien lediglich kleine Flächen des Urwaldes für Viehzucht brandgerodet waren (v.a. kurz vor Cobija), erblickten wir hier beinahe nichts anderes. Riesige Weideflächen mit Rindern säumten die Straße. Teilweise fuhren wir an noch brennenden oder rauchenden Flächen vorbei. Auch statt den einfachen kleinen Holzhütten in Bolivien gab es hier wieder gemauerte Behausungen. Die Diskrepanz der beiden Länder könnte nicht größer sein. Gottseidank dauerte unsere Fahrt in Brasilien lediglich etwa zwei bis drei Stunden und wir waren beinahe erleichtert in Assis Brasil uns wieder auszustempeln zu lassen.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Reverva Natural Manuripi Heath

Auf dem Weiterweg Richtung Cobija passierten wir noch das kleine Örtchen Porvenir. Da hier angeblich eine Drogenschmugglerroute von Peru nach Brasilien verlief, verließen wir den Ort auf direktem Weg. Generell gelten in dem Departamento Pando etwas andere Gesetze als im Rest Boliviens. Aufgrund der Nähe zu Brasilien (und Peru) kommt vieles auf illegalen Wegen nach oder aus Bolivien. Um staatlich subventionierte Ressourcen wie Gas und Treibstoff zu schützen, gibt es aus diesem Grund sehr strenge Gesetze. Um in Pando tanken zu können, benötigt man eine spezielle “Tankkarte” und selbst mit dieser erhält man nur eine bestimmte Treibstoffmenge pro Woche. Zusätzlich wurde uns mitgeteilt, dass das Führen von Treibstoff in Kanistern bzw. von gefüllten Gasflaschen beinahe gleichzusetzen sei mit Drogenschmuggel.
So konnte sich Martin erstmals seinem Traumberuf (“Drogenboss”) mit unseren 4 Reservekanistern Diesel und 1,5 vollen Flaschen Gas wenigstens gedanklich etwas näher fühlen – gottseidank kam nie ein Polizist bei den äußerst zahlreichen Kontrollen auf den Gedanken unseren Carlos näher unter die Lupe zu nehmen.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Angekommen in Cobija hieß es erstmals das Büro des Naturreservates Manuripi Heath ausfindig zu machen. Der Besitzer des Hotels Asai zeigte sich als äußerst hilfsbereit und zeigte uns den Weg auf seinem Moped. Nach einer etwas längeren Mittagspause des Büros ging es endlich daran das Permit, das wir für einen Besuch des Naturreservates benötigten, zu beschaffen. Nach einer weiteren Wartezeit war auch der Direktor eingetroffen, der uns persönlich bezüglich unserer Motivation des Parkbesuches interviewte. Da das Reservat touristisch (beinahe) völlig unerschlossen ist und sich auch die jährlichen Besucherzahlen wahrscheinlich an einer Hand abzählen lassen, sorgten wir für leichte Verwunderung. Der Direktor freute sich jedoch über Besuch und ersuchte uns das Reservat zu promoten. Um uns schon vorab zu überzeugen, folgte sogleich eine Fotovorführung seines persönlichen Ausfluges in den Park. Noch am selben Tag fuhren wir wieder zurück und zweigten bei Porvenir Richtung San Silvestre ab. Bei zahlreichen Polizeikontrollen führten wir abermals zu großer Verwunderung. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir San Silvestre wo sich die Kontrollstation des Naturreservates befand. Wir nächtigen wieder einmal direkt auf der Straße und lauschten gespannt den Geräuschen des Urwales die uns auch bald in in den Schlaf wiegten.
Am nächsten Morgen mussten wir nur kurz unser Permit bei der Kontrollstation vorzeigen. Daraufhin überquerten wir mit einer kleinen Fähre den Rio Manuripi, der die Grenze des Parks darstellt. Im Gegensatz zu unseren bisherigen Verschiffungen wurde diese Fähre per Hand an einem dicken Seil über den Fluss bewegt.
Bald darauf erreichten wir das Urwalddörfchen Curichon und fragten nach einem Führer der uns zum Lago Bay geleiten sollte. Zahlreiche Männer versammelten sich und es dauerte nicht lange bis zwei junge Guides für uns gefunden waren. Ausgerüstet mit Gummistiefeln und Sandalen ging es etwa 10 km durch den Urwald. Die Einheimischen legen normalerweise einen großen Teil der Strecke mit Mopeds zurück, da jedoch für uns Bewegung eine willkommene Abwechslung zum Autofahren darstellte und wir zudem auch den Wald intensiver erleben wollten, bevorzugten wir einen Fußmarsch. Kurz bevor wir den See erreichten musste noch eine kleine Flussdurchquerung erfolgen. Am Hinweg stellten sich Annas Gummistiefel als sehr wertvoll heraus. Angekommen am See wurden wir von einem riesigen Schmetterlingsschwarm am Ufer umschwirrt. Mit einem Boot erkundeten wir mit unseren beiden Führern den wunderschönen und einsamen Urwaldsee. Papageien und zahlreiche andere Vögel saßen in den Baumkronen die sich über das Wasser neigten. Auch mehrere Otter (Giantotters ?) konnten wir im See beobachten. Beim anschließenden Fischen hatten wir leider kein Glück und so machten wir uns auf den Rückweg. Wir lernten wie die Einheimischen Paranüsse im Urwald sammeln und konnten sogar die glitzernden Augen einer kleinen Wildkatze in der angebrochenen Nacht erblicken.
Die Paranüsse gehören zur Haupteinnahmequelle der Bewohner des Dorfes. Dafür werden die wild wachsenden kokosnussartigen Früchte im Wald gesammelt und aufgehackt. Ein etwa 80 kg schwerer Sack mit Paranüssen wird für etwa 500 Bolivianos (je nach Qualität mehr oder weniger) weiterverkauft.
Als wir müde wieder das Dorf erreichten nahmen wir diesesmal gerne die Einladung an uns im nahen Fluss zu waschen. In der Finsternis war es ganz schön spannend sich auf einer kleinen Plattform in einem unbekannten Fluss nur im Schein einer Stirnlampe zu waschen. (Gut dass wir erst am nächsten Morgen die Frauen beim Wäschewaschen in dem erdig, braunen Urwaldwasser an der gleichen Stelle beobachteten.)
Eigentlich wollten wir am nächsten Tag noch einen Bootsausflug auf dem Rio Manuripi organisieren, doch leider hatte das Wetter wieder umgeschlagen und es begann bereits zu Mittag zu regnen. Bevor wir uns auf den Weiterweg machten, trafen wir noch unseren Guide Roberto der mit einem Freund, einem Gewehr und einem winzigen Rucksack sich in den Urwald begab um ein Wildschwein zu jagen. Er sagte er würde wohl in ein bis zwei Tagen wieder kommen und bis dahin auf einfache Art und Weise (für uns unvorstellbar) im Urwald leben. Die Bewohner des Parks dürfen Jagen und Fischen, jedoch nur zu einem Ausmaß das zum Leben notwendig ist. Für das Fällen von größeren Bäumen, die z.B. zum Hausbauen benötigt werden, müssen die Einheimischen um Erlaubnis bei der Parkaufsicht ansuchen.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

Da beinahe die gesamte Anreise in den Park über Erd- und Sandpisten erfolgte, wollten wir kein Risiko eingehen und machten uns bei einsetzendem Regen auf den Rückweg. Innerhalb kürzester Zeit (viel schneller als wir gedacht hatten!) verwandelte sich die zuvor staubtrockene Piste teilweise in eine richtige Schlammschlacht. Mit ständig ausbrechendem Heck kämpfte sich Carlos durch den Schlamm doch als wir bei Gegenverkehr die Straßenmitte verlassen mussten rutschen wir in den Straßengraben. Bei einem ersten Bergungsversuch drehten lediglich die beiden Antriebsräder durch. Auch der Versuch ein Holzbrett unterzulegen scheiterte. So packten wir schlussendlich die Schneeketten aus und siehe da – es dauerte nicht lange bis sich Carlos wieder in der rettenden Straßenmitte befand. (Die Urwaldstraßen weisen meist eine Wölbung auf, so dass sie in der Mitte deutlich höher sind als am Rand, was bei Schlamm äußerst unangenehm ist!) Glückselig über die eigenhändige Rettung ging es weiter auf der immer schlechter werdenden Piste. Carlos verteidigte auch bei Gegenverkehr auf den kommenden Kilometern tapfer die Straßenmitte und dank Martins Fahrgeschick schafften wir es bis Porvenir wo wir wieder die rettende Asphaltstraße erreichten. Diese Fahrt war wohl das größte Fahrabenteuer bis jetzt! Nun verstehen wir auch, dass eigentlich Allrad obligatorisch für Urwaldfahrten abseits von Asphalt ist!

Von Rurrenabaque nach Cobija: Durch Pampa, Urwald, Staub und Schlamm

Carlos rumpelte über die schlechte Schotterpiste bis nach Santa Rosa. Auf allen Tankstellen (Rurre, Rayes und Santa Rosa) war der Diesel ausverkauft. Schließlich konnten wir in Santa Rosa Diesel am Schwarzmarkt erstehen. Gekonnt saugte die Vekäuferin den Diesel aus dem Fass mit einem dicken Schlauch an – die Kanister füllten sich rasch. Aufgetankt ging es auf der besser werdenden Piste weiter durch die Pampa. Von der Straße aus konnten wir Alligatoren, zahlreiche Vögel und die Rinderherden einiger Großgrundbesitzer beobachten. Doch auch Carlos wollte neben den ganzen Naturschönheiten ein bisschen Aufmerksamkeit für sich haben und neben seinem ersten Plattreifen verlor er auch prompt noch den Auspuff. Provisorisch wurde der Auspuff mit einem Stück Draht befestigt, sodass dieser nicht vollkommen abbrechen konnte. (Die Krokodile links und rechts der Straße beobachteten neugierig die Reparatur) In dem kleinen Örtchen Yata machten wir einen Mechaniker ausfindig der sich am nächsten Tag um den Auspuff annehmen wollte. Da am Abend in allen Häuschen Strom für Licht beansprucht wurde, funktionierte zu dieser Tageszeit das Schweißgerät nicht (da das örtliche Dieselaggregat wohl nicht das neuerste und stärkste war). Der Doktor des Ortes bot uns an seine Dusche zu verwenden was wir natürlich gerne in Anspruch nahmen, da in diesen einfachen Gegend eine Dusche schon zur absoluten Luxusausstattung gehörte und die Häuschen auch noch über keine Wasseranschlüsse verfügten. Zum Frühstück bekamen wir von anderen ein Tellerchen mit Schweinefleisch serviert. Wir freuten uns über die überaus gastfreundliche Geste und versuchten dankbar zu wirken. Die Schwarten und Borsten die sich zahlreich auf dem Tellerchen befanden, machten uns jedoch zu dieser Tageszeit noch besonders zu schaffen und nach ein paar Bissen gaben wir dankend das Teller mit der Erklärung keinen Hunger zu haben zurück. Gegen Mittag ging es mit einem geschweißten Auspuff (5€) und dem Ersatzreifen weiter über die immer besser werdende Erdpiste. Die Schlaglöcher wurden immer weniger und wir kamen deutlich schneller voran. Beim Triangulo, der Straßengabel wo sich die Straße nach Cobija von der Strecke nach Riberalta teilt, gab es auch endlich eine Tankstelle mit Diesel. Auch unser Reifen konnte geflickt werden und so ging es beruhigt weiter durch den Urwald. Nach einer knappen Stunde erreichten wir den Rio Beni der die Strecke unterbrach und nur mit einem Boot überwunden werden konnte. So nächtigten wir direkt auf der Straße vor der Absperrung neben etlichen wartenden LKWs.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode

In der Früh wurden wir vom heftigen Klopfen eines Polizisten geweckt – wir sollten uns fertig machen für die Überfahrt mit der Fähre, die bald starten sollte. Im dichten Morgennebel verfehlten die Fährleute jedoch die Straße auf der anderen Flussseite deutlich und so ging es mit dem Floß das Ufer entlang bis wir die Straße und mit ihr die ersten Sonnenstrahlen erreichten.
Nach weiteren etwa 1,5 h durch den Urwald erreichten wir den zweiten großen Fluss, den Rio Madre de Dios, der abermals nur mit einem Boot überwunden werden konnte. Gemeinsam mit einem Bus der Flota überquerte Carlos wieder auf einem einfachen Floß den riesengroßen Fluss. Bei Sonnenschein und wolkenlosem Himmel genossen wir die Bootsfahrt so richtig und bedauerten fast wieder auf Land weiterzureisen zu müssen. Am Nachmittag erreichten wir das Örtchen Puerto Rico und suchten auf Anraten eines Ingenieurs das Hotel Manuripi auf um uns mit Informationen über die Gegend einzudecken. Die freundliche Besitzerin des sehr ruhigen Hotels freute sich sichtlich über (ausländische) Gäste und erzählte uns in rasantem Spanisch (mit brasilianischen Akzent) vieles über die Provinz Pando. Neben Drogen gehört in dem Departamento Pando auch der Schmuggel von Treibstoff, Gas und Nahrungsmittel zur Tagesordnung. Wir freuten uns über das informative Gespräch und versuchten noch einige Kilometer vor dem Dunkelwerden hinter uns zu bringen. In dem indigenen Dörfchen Santa Rita fanden wir einen Schlafplatz und wurden sofort von den Bewohnern und vor allem den Kindern freundlich in Empfang gekommen. Da hier wohl noch nie ein Camper gehalten hatte kamen so einige interessierte Bewohner ungläubig vorbei um mit uns ein paar Worte zu wechseln. Auch eine Waschmöglichkeit im nahen Bach wurde uns angeboten, auf die wir jedoch zu diesem Zeitpunkt noch dankend verzichteten. Nach einem morgendlichen Fußballspiel das zu Gunsten Martins und seinem Mitspieler endete, wurden wir noch von einer äußerst liebenswürdigen alten Dame mit Kochbananen beschenkt. Dankend und glücklich über den netten Stellplatz ging es weiter nach Cobija, der Hauptstadt von Pando.

Shashin Error:

No photos found for specified shortcode