Gold & Umweltverschmutzung – Back to reality

Nach einem kurzen Abstecher zum städtischen Markt in Puerto Maldonado traten wir am nächsten Tag die Weiterreise auf der Interoceanica an. Doch das landschaftliche Bild hatte sich gewandelt. Wo wir am Vortag vorbei an ursprünglichen Urwäldern gekurvt waren, zeigte sich uns an diesem Tag ein trauriges Bild. Viele Goldgräber hatten sich nahe der Straße angesiedelt und beuteten den Urwald gnadenlos aus. Die Siedlungen aus mit bunten Planen verhängten Hütten bildeten ein abscheuliches Bild.
Jährlich werden im Bezirk Madre de Dios 16.000 – 18.000 kg Gold geschürft. Für jedes Kilo Gold werden etwa 2,8 kg Quecksilber benötigt, die nicht nur zu einer lokalen Verschmutzung führen, sondern über die Flüsse weiter in den Amazonas gelangen. Dabei wird sowohl das Trinkwasser wie auch die Flüsse, die mit ihren Fischen als wichtige Nahrungsquelle der indigenen Bevölkerung dienen, verseucht. Die über 30.000 Goldschürfer von denen 99% illegal arbeiten, haben bereits geschätzte 32.000 ha Urwald zerstört. Auch die für den Tourismus wichtigen Regionen wie die Nationalparks werden von den Goldgräbern nicht verschont. Die Ausbeutung der Natur nahm in den letzten Jahren durch den steigenden Goldpreis rapide zu. Aufgrund der Kontaminierung des gesamten Grundwassers wurde uns auch in Puerto Maldonado vom Genuss des Leitungswassers dringend abgeraten.
Geschockt und traurig über die Menschheit und das allgegenwärtige Verlangen nach Geld (bzw. Gold) fuhren wir den Anden entgegen.

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Am nächsten Tag führte uns die Straße kurz nach Ocongate direkt an einem bunten Andenmarkt vorbei. Wir hielten und erlebten ein für uns einzigartiges Spektakel. Bei dem zweitägigen Festival wurden Lamas, Alpakas, Kartoffeln, Schafe, Handarbeitsprodukte etc. einiger, naher Dörfer bewertet und prämiert. Die Sieger erhielten Sachpreise in Form von Reis, Gaskochern und anderen nützlichen Utensilien. Gespannt verfolgten wir die Show und waren verzückt von den bunt gekleideten Andenbewohnern vor der Kulisse des schneebedeckten Aussangate. Die wolligen Alpakas erinnerten uns an flauschige Kuscheltiere.

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Nach weiteren knappen zwei Stunden Fahrzeit waren wir in Cusco auf dem Campingplatz Quinta Lala eingetroffen. Die nächsten Tage verbrachten wir mit einer gründlichen Innenreinigung von Carlos und freuten uns wieder andere Autoreisende zu treffen. Gemeinsam genossen wir mehrere Abende am Lagerfeuer. Manfred führte uns in die Kunst des Erdbratens ein, den wir gemeinsam mit einem französisch- kolumbianischen Pärchen verspeisten. Da uns jedoch der Tourismus in Cusco beinahe übermannte und uns nach der langen einsamen Zeit überhaupt nicht zusagte, traten wir bald wieder die Weiterreise über Ayacucho nach Nasca an. Auf dem Weg wurden wir wieder einmal mitten in der Nacht von Polizisten geweckt und kontrolliert.

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In Nasca machten wir nur einen kurzen Zwischenstopp und betrachteten von einem Aussichtspunkt die berühmten Nascalinien. Nach einer ruhigen Nacht in der Oase Huacachina brachen wir zeitig auf um uns noch am frühen Vormittag in Pisco mit frischen, leckeren Fischen einzudecken. Neben Garnelen für Martin kauften wir 1 kg Schwertfischfilet. Den restlichen Tag verbrachten wir mit der Fahrt über die Panamericana Richtung Lima. Die Wüstenlandschaft an der peruanischen Küste wurde durch künstliche Bewässerung fruchtbar gemacht, wobei vor allem riesige Orangen- und auch Gemüseplantagen sich neben der Panamericana erstreckten. Doch so zahlreich wie die glänzenden Orangen, gab es auch etwa ebenso viele Hüttchen aus Strohmatten und Menschen, die mit “Pestizid-rucksäcken” bewaffnet, jedes Pflänzchen einzeln düngten.

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Aufgrund der ungewissen Sicherheitslage an der Hauptverbindungslinie beschlossen wir in Lima zu nächtigen. Da wir uns jedoch bei der Anfahrt zum Nobelbezirk Miraflores hoffnungslos verfuhren, erbarmte sich die Polizei uns mit dem Einsatzfahrzeug den Weg zu weisen. Wir wurden streng angewiesen die Fenster zu schließen und die Türen zu versperren, da wir anscheinend nicht einmal hinter der Polizei sicher waren. Nach einigen anstrengenden Fahrstunden erreichten wir endlich das Hitchhikers Hostel bei dem wir auf einem sicheren Parkplatz campieren konnten.
Am nächsten Tag erkundeten wir Miraflores und konnten unseren Augen kaum trauen, als wir einen riesigen Nobelsupermarkt der alles bot was man sich wünschen könnte, genauer unter die Lupe nahmen. Doch dieses “Schlaraffenland” des Konsums hatte auch seinen Preis. Und obwohl uns die leckere Tafel Lindt-Schokolade schon sehr reizte, war sie uns um umgerechnete 6 € einfach zu teuer. Wir entschieden uns eine Flasche Wein (die billigste kostete 5 €!) und eine Flasche Pisco zu erstehen – dazu erhielten wir aber Beratung auf höchstem Niveau.
Das gesellschaftliche Ungleichgewicht in diesem Land könnte nicht größer sein.

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