Huaraz – Cordillera Blanca III

Quebrada Llanganuco & Laguna 69

Nachdem wir nach unserem letzten Bergabenteuer wieder in Huaraz angekommen waren, zügelte unser mangelnder Gesundheitszustand vorerst weitere Bergvorhaben. Eine ruhige Woche mit Auskurieren und gesund werden stand am Programm. Wir freuten uns wieder österreichische Gesellschaft in Huaraz zu treffen. Jeden Tag erblickten wir von der Stadt die schneebedeckten Berge der Cordillera Blanca und so stieg auch täglich die Sehnsucht nach der Natur, so dass wir beschlossen in die Quebrada Llanganuco zu fahren um dort mit der Motivation der nahen Gipfel unsere Genesung zu beschleunigen.
Die Laguna Chinancocha und die Laguna Orconcocha in der Quebrada Llanganuco gehören zu den meist besuchten Touristenzielen in der Umgebung von Huaraz. Dementsprechend viele Busse nehmen die holprige Anfahrt von Yungay im Santa Tal auf sich. Auch uns nahm das türkise Wasser der beiden Seen mit dem Gipfel des Nevado Yanapaccha im Hintergrund in ihren Bann und steigerte unsere Spannung auf die weiteren Naturschönheiten des Tales. Kurz nach der zweiten Lagune fanden wir einen ruhigen Stellplatz für die Nacht.

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Um uns auch am nächsten Tag noch etwas auszuruhen beschlossen wir unsere Akklimatisation (passiv) besser auszubauen. Wir fuhren die zahlreichen engen Kehren auf den Pass Portachuelo Llanganuco auf 4.767 m.
Mit jedem zurückgelegten Höhenmeter eröffnete sich uns ein besserer Ausblick auf die umliegenden Fünf- und Sechstausender. Beeindruckt von der Kulisse verweilten wir etliche Stunden direkt auf der Passhöhe. Bevor hinter den Huandoys die Sonne unterging zeigte sich der Chopicalqui auf der anderen Talseite noch in schönstem Abendrot.

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Da wir uns in der Zwischenzeit wieder stärker fühlten, wollten wir zu der berühmten Laguna 69 wandern, die angeblich die Schönste im Nationalpark Huascaran sein sollte. Nachdem wir gemütlich in das Ende des Tales gewandert waren, zog sich der Weg in sanften Kehren langsam in die Höhe. Nach knappen zwei Stunden erreichten wir eine kleine Lagune und erblickten erstmals die Steilwand des Chacrarajus. Einige rastende Wanderer ließen uns fast ein bisschen enttäuscht befürchte schon an unserem Ziel angekommen zu sein. Doch nach ein paar weiteren Metern deutete ein Wegzeiger auf den Weiterweg hin. Es galt noch einen kurzen Steilaufschwung zu überwinden bevor wir mit offenen Mündern vor einem wunderschönen, tief türkisblauen See direkt vor einer spektakulären Eiswand standen. Wir hatten uns nicht zu viel von der Lagune 69 erwartet. Der windgeschützte Platz in dieser traumhaften Umgebung lud zu einer ausgiebigen Mittagsrast ein. Wenn nicht der Gletscher in beinahe greifbarer Nähe gewesen wäre, hätte man aufgrund der intensiven Färbung des Wasser beinahe glauben können in der Karibik und nicht auf 4.600 m zu sein.
Peru - Huaraz

The most amazing laguna!


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Pisco 5.752 m

Motiviert von dieser tollen Wanderung packten wir abermals unsere Bergausrüstung. Carlos stellten wir bei der Kontrollstation des Nationalparks unter. Am nächsten Morgen zwängten wir uns in ein mit etwa 20 Menschen vollgestopftes “Collectivo” (Minibus). Bald waren wir beim 11 km entfernten Ausgangspunkt, der Cebollapampa, angekommen. Um uns den Aufstieg zu erleichtern (und angenehmer zu machen) heuerten wir einen Arriero (Pferdetreiber) an. Trotz unserer leichten Rucksäcke hatten wir keine Chance mit dem Tempo des Einheimischen mitzuhalten. Gemütlich stiegen wir ins Pisco- Basecamp auf etwa 4.600 m auf und suchten uns einen relativ windgeschützten Zeltplatz. Im Basecamp ging es sehr ruhig zu und nur einige andere Zelte leisteten uns Gesellschaft.

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Nach einem zeitigen Abendessen begaben wir uns bald in unsere Schlafsäcke um noch ein bisschen Schlaf vor dem Aufstieg zu finden.
Bereits um Mitternacht läutete wieder der Wecker. Nach einem kurzen Frühstück hieß es aus dem wärmenden Zelt zu klettern um noch Wasser für den Aufstieg zu kochen. Pünktlich um 1 Uhr verließen wir im Schein unserer Stirnlampen das Lager und suchten den Anstieg auf der Moräne. Auch zwei geführte Touren folgten. Nach einem kurzen Anstieg musste die Moräne in staubigem Abbruchgelände abgeklettert werden. Zahlreiche “Steinmännchen” zeigten uns den Weg durch das scheinbar undurchsichtige Steinlabyrinth der Moräne. Wir waren dankbar, dass uns in knappen Abstand ein Führer folgte und uns zweimal bei der Wegfindung half. Der Pfad steilte an und ließ uns mit unseren schweren Rucksäcken ordentlich ins Schwitzen kommen. Endlich erreichten wir den Beginn des Gletschers. Mit angelegter Gletscherausrüstung ging es über eine kurze Steilstufe auf den riesigen Gletscher. Mit den nun leichteren Rucksäcken kamen wir auch deutlich schneller voran und waren bald alleine unter einem funkelnden Sternenhimmel. Nachdem wir noch im Dunkeln die beiden Steilstufen überwunden hatten, bestaunten wir kurz vor dem Gipfel einen traumhaften Sonnenaufgang. Motiviert durch die Ausblicke auf die wunderbare Bergwelt der Cordillera Blanca hieß es noch einmal zusammenbeißen und alle Kräfte zu mobilisieren, bis wir als erste an diesem Morgen auf dem wunderschönen Aussichtsberg stehen durften. Wir genossen die Einsamkeit auf dem ausladenden Gipfel und waren beeindruckt von den Ausblicken auf die umliegenden Fünf- und Sechstausender. Doch auch als die geführten Seilschaften auf dem Gipfel eintrudelten verweilten wir noch auf dem Gipfel.
Mit jedem Meter den wir abstiegen stieg die Temperatur, so dass wir uns nach den beiden Steilaufschwüngen aus sämtlichen wärmenden Kleidungsschichten schälten und den Abstieg auf noch über 5.000 m mit kurzen Ärmeln genießen konnten. Nach einer längeren Rastpause hieß es noch einmal unsere Kräfte zu sammeln für den schweißtreibenden Rückweg über die Moräne. Auch im Hellen war bei einigen Stellen die Orientierung nicht zu unterschätzen.
Zurück im Basislager wollten wir uns mit den Essensresten vom Vortag (Polenta mit Tomatensauce) stärken. Obwohl wir zum Schutz vor den weidenden Eseln und Pferden den Topfdeckel mit einem schweren Stein gesichert hatten, fanden wir nur mehr unsere fein säuberlich ausgeputzte Pfanne vor – da hatte sich wohl schon ein anderer über unser Essen gefreut.
Eigentlich hatten wir geplant noch eine Nacht in dem schön gelegenen Basecamp zu verbringen. Da jedoch kurz nach unserer Rückkehr unser Arriero wieder auftauchte und uns mitteilte, dass er für den nächsten Tag bereits anderswertig eingeteilt war, ließen wir uns überreden noch am gleichen Tag abzusteigen. Nachdem wir uns beim Packen und Absteigen viel Zeit ließen kamen wir erst gegen 17.00 Uhr in der Cebollapampa an. Leider erwiesen sich die Voraussagen des Arrieros, dass wir noch problemlos ein Taxi für den Rückweg zu unserem Carlos bekommen konnten, als falsch. Fröstelnd warteten wir zwei Stunden in der Dunkelheit ohne Erfolg. Zwei Autos passierten, gaben jedoch vor keinen Platz für uns zu haben. Auf einmal durchdrang das Licht von Autoscheinwerfern die Dunkelheit. Sofort sprangen wir auf die Fahrbahn. Scheppernd hielt ein alter Geländewagen und bot uns eine Mitfahrgelegenheit an. Auch unser Arriero wollte mitkommen um noch zu seiner Familie zu fahren. Leider konnten wir im Finsteren nicht viel von dem Gefährt erkennen und so packten wir rasch unsere Ausrüstung in den Kofferraum und nahmen dort auch selber Platz. Rumpelnd und klappernd setzte sich der alte Wagen viel zu schnell in Bewegung. Erst während der Fahrt bemerkten wir schlotternd, dass das Auto weder Heck- noch Windschutzscheibe hatte. Umso mehr es auf der Schotterstraße rumpelte, desto mehr lachten die beiden jungen Fahrer. Nachdem sich auch noch die Fahrertür ständig ungewollt öffnete, waren wir so richtig erleichtert als wir völlig durchgefroren bei unserem Carlos ankamen. Jetzt wussten wir auch, dass Autofahren in Peru wesentlich gefährlicher ist als Bergsteigen.

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great weather!

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