Um uns nach der Kälte in der Höhe wieder mit Wärme “vollzutanken” und uns endlich von unseren hartnäckigen Schnupfen zu trennen, beschlossen wir nach Rurrenabaque in den Urwald zu fahren. Die Strecke sollte dafür über den “Abra la Cumbre” – Pass (4.650 m) und die berühmte Todesstraße nach Coroico und weiter nach “Rurre” führen. Doch die Orientierung in Bolivien sollte sich wiedereinmal als äußerst schwierig herausstellen. (Wir konnten leider keine brauchbare Bolivienkarte in La Paz auftreiben.)
Schon bei der Fahrt durch La Paz machte Carlos die ersten Irrfahrten an den äußerst steilen, bewohnten Abhängen der Großstadt. Schließlich fanden wir jedoch nach mehrmaligem Nachfragen den richtigen Weg und überquerten bald darauf den Cumbre und verbrachten die Nacht kurz nach der Passhöhe bei einigen Essensausschanken auf etwa 3.700 m.
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Am nächsten Morgen läutete zeitig in der Früh der Wecker und wir machten uns sogleich auf den Weg. Nach einigen Kilometern auf der gut ausgebauten Asphaltstraße zweigte rechter Hand eine Schotterpiste ab. Diese konnten wir nicht mit unseren Erinnerungen von der Downhillfahrt vor vier Jahren in Einklang bringen, schoben dies jedoch auf ein mangelhaftes Gedächtnis und bogen in der Meinung uns auf der Todesstraße zu befinden ab. Bald darauf genossen wir ein ausgiebiges Frühstück bei tollen Ausblicken in das enge und steile Tal.
Die Straße schlängelte sich durch verschiedene Vegetationszonen entlang der Hänge in die nebelverhangenen Schluchten. Wir waren überrascht, dass wir von zahlreichen öffentlichen Bussen und Minibussen überholt wurden. Aufgrund der geringen Breite der Straße und der tiefen Abgründe bevorzugten wir eine sehr gemäßigte Fahrweise. Die Straße war großteils nur einspurig ausgebaut, so dass bei Gegenverkehr eine Ausweichstelle (vorwärts oder rückwärts fahrend) gesucht werden musste. Hupen vor jeder Kurve war obligatorisch. Wiederum wunderten wir uns, dass uns die Straße nicht bekannt vor kam und vor allem der viele Verkehr brachte uns noch stärker ins grübeln. Doch als wir wenig später erfuhren, dass am Vortag ein Bus mit zwanzig Insassen in die Tiefe gestürzt war, schienen wir bestärkt uns auf der “Todesstraße” zu befinden und auch in der Wahl unserer defensiven Fahrweise. Prompt wählten wir bei einer Abzweigung den falschen Weg und machten einen ersten Abstecher in die Cocaanbaugebiete der Yungas. Bei Nachfrage nach dem Weg nach Coroico antworteten uns erstaunte Augen und wiesen uns in die andere Richtung. So drehten wir um und folgten einer noch schmäleren Piste mit spektakulären Tiefblicken. Schon kurz darauf mussten wir anhalten, da gerade Sprengarbeiten auf der Straße im Gange waren und die Piste noch von zwei Baggern fahrbereit bereinigt werden musste. Auch hier (auf dieser äußerst engen Straße) folgte uns kurz darauf ein Bus. Die beiden Bagger schoben fleißig das gelockerte Gestein in die Tiefe, wo es tosend mehrere hundert Meter in die Tiefe raste.
Beim Betätigen des Wasserhahnes (bei offenem Abwasserhahn) wurde Martin lächeln darauf hingewiesen: ” Tu coche está urinando” – (Dein Auto uriniert) was zu einer allgemeinen Aufheiterung unter den Wartenden führte. Knapp 1,5 h später ging es weiter durch steile Abhänge mit unzähligen Cocaplantagen auf terrassierten Abhängen. Der Weg nach Coroico wollte kein Ende nehmen und so kurvten wir durch viele kleine Örtchen, in denen wir von den Cocabauern ungläubig beäugt wurden. Schön langsam taute uns, dass wir wohl nicht auf der gewünschten und uns ja bekannten Strecke befanden. Nach vielen Stunden erreichten wir kurz nach der Abenddämmerung Coroico und stellten uns für die Nacht auf einen Parkplatz vor dem Hotel Esmeralda. Wir hatten eine viel längere Strecke über die Örtchen Puente Villa und Coripata gewählt, die aber der wahren “Todesstraße” (heute beinahe nicht mehr befahrenen) in nichts nachstand.
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