Nachdem unsere Bergpläne in Chile aufgrund der Polizei gescheitert waren, wollten wir nun den Huayna Potosi (6.080 m) in Angriff nehmen. Doch zuvor es in die Höhe ging, mussten wir noch El Alto passieren. Der sonntägliche Markt auf El Altos Straßen stellte die erste Herausforderung dar. Mit viel Hupen und Geduld schlängelten wir uns durch den dichten Verkehr und vorbei an zahlreichen Verkaufsständen. Am Zongopass (4.750 m) angekommen suchten wir uns einen Stellplatz für die Nacht.
Am nächsten Tag machten wir eine kleine Akklimatisierungstour zur Laguna Canada. Der Weg führte zuerst entlang eines Wasserkanals und konnte mit spektakulären Tiefblicken punkten. Auch der Huayna Potosi zeigte sich mächtig und glitzernd weiß von seiner schönsten Seite. In der Mittagspause studierten wir die Wegfindung am Gletscher bei strahlendem Sonnenschein. Bereits auf dem Rückweg zogen Wolken aus dem Zongotal auf und schon wenig später hagelte und schneite es – eine weiße Decke umgab uns für die Nacht.
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Am nächsten Tag läutete zeitig der Wecker, doch da sich Anna nicht gesund fühlte, musste die Besteigung des Huayna Potosi vertagt werden. Ein gemeiner Virus hatte Hals und Nase besiedelt und wollte sich der Bergtour in die Wege stellen. Doch Papas Notfallsmedizin, der selbst gemachte Zirbenschnaps, überzeugte mit seinem großartigen Heilungspotential und wir konnten die Bergtour am kommenden Tag in Angriff nehmen. Bepackt mit jeweils etwa 18 – 19 kg ging es im Schneckentempo zum Hochlager auf 5.130 m. Aufgrund der vielen Besteigung befindet sich in dieser Höhe ein rustikales Refugio. Nach Wasserholen aus einem kleinen Eisloch hinter der Hütte kochten wir uns ein stärkendes Abendessen mit Suppe und Pasta und begaben uns bald in die Schlafsäcke. Wir waren die einzigen die sich alleine auf den Weg gemacht hatten. Alle anderen waren mit Bergführer und Koch unterwegs und hatten deutlich kleinere Rucksäcke. Bereits um halb zwölf kam Unruhe in der Hütte auf und kurz darauf startete auch schon die “morgendliche” Radiomusik der Guides. Widerwillig und müde kletterten auch wir um kurz vor 1 Uhr aus den Schlafsäcken, kochten Tee und frühstückten ein bisschen. Wir waren eine der letzten Seilschaften die sich auf den Weg durch die Gletschermassen begab. Ein breit ausgetretener Pfad erleichterte die Orientierung in der Dunkelheit deutlich, doch je höher wir stiegen, umso mehr Wolken zogen auf und auch die Temperaturen sanken in ungemütliche Bereiche. Trotz Daunenjacken, -Fäustlingen und den warmen Expeditionsschuhen kamen unsere Finger und Zehen leicht ins Frösteln. Langsam kämpften wir uns Schritt für Schritt keuchend in die Höhe. Wir hatten nicht gedacht, dass das so anstrengend werden würde. Bei Einbruch der Dämmerung erreichten wir den Gipfelgrat, der der schönste in der gesamten Cordillera Real sein soll. Auf beiden Seiten ging es gefährlich steil in die Tiefe und so tasteten wir uns vorsichtig einen Schritt nach dem anderen voran. Der Pfad war so schmal, dass man nur einen Fuß hinter den anderen setzen konnte und aufgrund des fest, gefrorenen Schnees war es schwierig mit dem Pickel halt zu finden. Die Tiefblicke waren jedoch aufgrund des schlechten Wetters leider (oder gottseidank?) sehr eingeschränkt und wir waren erleichtert als wir den kleinen Gipfel auf 6088 m erreichten. Auch unsere kleine Kamera litt unter der Kälte und verweigerte uns ein Gipfelfoto. (Die große Kamera hatte aufgrund ihres größeren Gewichtes Hausarrest im Carlos.) Nach kurzem Verschnaufen traten wir jedoch schon wieder den Rückweg an um den gefährlichen Teil hinter uns zu bekommen. Bei dieser Passage verstanden wir, dass so mancher die Dienste eines Bergführers gerne in Anspruch nahm.
Auf dem Rückweg wurde der Nebel immer dichter und wir waren sehr dankbar über den gut ausgetretenen Weg, da wir ansonsten wohl ernsthafte Orientierungsprobleme gehabt hätten.
Müde, jedoch glücklich über den Gipfelerfolg erreichten wir um etwa ein Uhr unseren Carlos und beschlossen wieder zurück ins Hotel Oberland, nach La Paz zu fahren.
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