Vom Ort Perito Moreno kommend fuhren wir auf der Südseite des Lago Buenos Aires Richtung chilenischer Grenze. Nach der Grenze folgten wir der wunderschönen Strecke entlang des zweitgrößten Sees Südamerikas, der auf der chilenischen Seite Lago General Carrera genannt wird. Unzählige Hagebutten Sträucher und wilde Fuchsiengewächse gaben uns eine Vorahnung auf die üppige Vegetation in Südchile. Nach einem langen aber schönen Fahrtag trafen wir am Westufer des Sees auf die berühmte Carretera Austral und nächtigten dort. Am nächsten Tag ging die atemberaubende Fahrt weiter über tiefe Schluchten Richtung Puerto Tranquillo, wo wir einen Stopp einlegten um die Marmorkapellen im See bei einer Bootstour zu besichtigen. Noch am Nachmittag machten wir uns auf den Weg ins Valle de los Exploradores. Eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt auf den Monte San Valentin gab uns nur einen Vorgeschmack auf die unglaubliche Schönheit und Vielfältigkeit des Tals.
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Dieses ursprüngliche und vom Tourismus bislang weitgehend verschonte Tal wurde zu einem unserer Lieblingsorte in Patagonien. Undurchdringlicher kalter Regenwald, klarste Flussläufe, hängende Gletscher und herabstürzende Wasserfälle begleiteten uns auf der Fahrt bis ans Ende des Tales. Nur eine Brücke fehlte am Straßenende für eine direkte Verbindung zur Laguna San Rafael und zum Pazifik.
Am Abend konnten wir Einheimische beobachten, die mit großen Widerhaken an Holzstecken auf Lachsjagd gingen. Wir hatten Glück und durften einen frischgegrillten Lachs vom Feuer kosten – köstlich! Beeindruckt davon ließen wir uns einen Wiederhaken schenken und auch Martin versuchte sein Glück. Leider waren die Lachse, die zu dieser Jahreszeit zu ihren Laichgebieten flussaufwärts schwimmen, entweder zu schnell für uns oder sie ließen sich überhaupt nicht blicken. Nichtsdestotrotz ließen wir uns am Abend unter einem herrlichen Sternenhimmeln unsere im Lagerfeuer gebratenen Kartoffeln schmecken.
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Nach drei schönen Tagen machten wir uns wieder auf den Weiterweg Richtung Norden. Die Stadt Coyhaique sollte unser nächstes Ziel darstellen.
In der ganzen Region Aisén gab es seit mehreren Wochen Streiks und Straßensperren, da die Bevölkerung mit der Situation in ihrer Region unzufrieden war. Deutlich höhere Preise für Treibstoff und Nahrungsmittel im Vergleich zum Norden Chiles bei gleichzeitig niedrigerem Einkommen waren nur ein Grund für die Unzufriedenheit der Menschen. Bis Coyhaique waren wir problemlos vorangekommen und wollten nun unsere Diesel- und Nahrungsvorräte auffüllen. Angekommen in der Hauptstadt der Region wurden wir sogleich von gesperrten Tankstellen ohne Treibstoff enttäuscht. Um wenigstens wieder die Essensvorräte aufzubessern, ging Anna in den städtischen Supermarkt. Es schien als ob die ganze Stadt dabei war sich mit großen Vorratsmengen einzudecken. Dementsprechend lange dauerte es, bis das wichtigste zusammengesucht war . Anna machte sich jedoch keine weiteren Gedanken darüber. Als sie den Supermarkt verließ erwartete sie eine gespenstische Situation. Auf der Straße, auf der sich zuvor noch völlig friedlich der normale Alltag und Verkehr abspielte, brannten Reifen und unzählige Menschen demonstrierten. Martin, der schräg gegenüber warten sollte, hatte das Auto in einem Sicherheitsabstand geparkt, so dass man ihn auch nicht gleich entdecken konnte. Nach längerem Suchen konnte Anna zwar Carlos auf der anderen Seite der Protestbewegung entdecken, die Supermarktleute empfahlen jedoch die Straße unter keinen Umständen zu überqueren. Schlussendlich begleitete Anna ein Einheimischer zum Camper. Schnellstmöglich verließen wir nun gemeinsam die Stadt und nächtigten vor dem Eingang des Reserva Natural Coyhaique. Nach einer Wanderung im Naturschutzgebiet am nächsten Tag fuhren wir noch einmal zurück in die Stadt. Es erwartete uns ein erschreckendes Bild: Sämtliche Scheiben des Supermarktes wie auch bei vielen anderen Gebäuden waren zertrümmert. Umso größeres Glück hatten wir als wir entdeckten, dass gerade der Tankwagen bei einer Tankstelle stand. Schnell ordneten wir uns in die bereits größer werdende Autoschlange ein und konnten Carlos bereits kurz danach mit dem rettenden Diesel volltanken. Als wir die Stadt verließen war die Schlange bereits auf eine Länge von geschätzten 1-2 km angewachsen.
Auf dem Weiterweg auf der Carretera Austral hatten wir großes Glück und wurden nur einmal bei einer Straßensperre angehalten. Nach einer einstündigen Wartezeit konnten wir jedoch auch hier unsere Reise fortsetzten und erfuhren zudem Details über die Motive der Streiks. Unterwegs Richtung Norden auf der Carretera Austral kamen in den nächsten Tagen zwischen vielen Regenschauern auch sehr schöne Eindrücke von der einzigartigen Landschaft Zentralpatagoniens nicht zu kurz. Knapp vor der Grenze zu Argentinien stoppten wir in Futaleufú und genossen in einem glasklaren Fluss eine Tour mit einem aufblasbaren Kajak, die uns beiden sehr viel Spaß bereitete. Auch Martín Pescador (“Martin Fischer”) einen Vogel, der sich vom Fischreichtum der Bäche und Seen ernährt, konnten wir beobachten. Als Nebeneffekt zur Bootstour hatte Martin von seinem Namensgenossen einen neuen Spitznamen bekommen.
Um seinem neuen Spitznamen auch gerecht zu werden hatte sich Martin kurzerhand eine Angel zugelegt mit der er auch sogleich in den nächsten Tagen sein Glück versuchte – leider erfolglos.
Weiter ging es über Trevelin in den Nationalpark Los Alerces in Argentinien. Der große Nationalpark wurde zum Schutz der Alercen, einer Baumart die mehrere tausend Jahre alt werden kann, errichtet. Wir konnten jedoch lediglich ein 300 Jahre altes Exemplar bestaunen, das nicht dicker als etwa 50 cm war und uns fast ein bisschen enttäuschte. Nur in den entlegensten Gebieten dieses Naturparks gibt es noch alte und große Exemplare. Die Alercen wurden aufgrund ihres harten und äußerst widerstandsfähigen Holzes zur Schindelherstellung verwendet und beinahe ausgerottet. Eine wunderschöne Bergtour und die traumhafte Lage des Parks an großen Seen mit einsamen Stellplätzen an den Stränden entschädigten uns jedoch für die “fehlenden” Alercen.
In einem langen Fahrtag ging es weiter Richtung Norden nach San Carlos de Bariloche, wo wir uns auf einem Campingplatz einquartierten und erstmals seit langem wieder eine ausgiebige warme Dusche genossen.
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