Der Devise folgend “Bei Regenwetter weiterfahren” machten wir uns auf den Weg.
Ausgehend von der doch eher touristischen Infrastruktur El Chaltens sollte es nun wieder Richtung Norden, in die einsamen Weiten Patagoniens gehen. Die letzte Teilstrecke der berühmten Routa 40, das noch nicht asphaltiert war, sollte bezwungen werden. Die ersten 150 km waren kein Problem, doch schön langsam wurde der Boden aufgrund des starken Regens immer weicher…. und weicher und … Schlammlöcher wurden zur Regelmäßigkeit. Das Wort “Desvio” (Umleitung) wurde zum Unwort des Tages erkoren, da in diesen Straßenabschnitten die Piste meistens noch schlechter war und teilweise auch noch sehr schräg abfiel. Auf etwa halber Strecke Richtung Gobernator Gregores trafen wir auch auf einen steckengebliebenen Reisebus mit unzähligen Touristen, die im Schlamm herumstanden und uns ungläubig anstarrten. Tobias & Kerstin, unsere treuen Weggefährten, sorgten sich schon um uns und warteten auf der schlammigen Piste. Doch Carlos kämpfte sich tapfer mit durchdrehenden Reifen und schlängelnden Schleuderbewegungen durch den Schlamm.
Angekommen bei der Tankstelle in Gobernator Gregores freuten wir uns schon auf den rettenden Diesel. Doch auch hier trafen wir auf eine Obskurität: Man durfte an dieser YPF Tankstelle nur für 200 Pesos täglich (1 Liter = 3.71 pesos) tanken. Nach einer kurzen Reparatur bei strömenden Regen von Tobias&Kerstins Batteriepolschuh übernachteten wir nach einem langen und schlammigen Tag neben der Tankstelle. Am nächsten Tag tankten wir noch die restlichen, fehlenden Liter Diesel auf und die Fahrt ging weiter in den “städtischen” Supermarkt, der sich beinahe kitschig in der Einöde als kleines Einkaufsparadies mit frischem Obst und Milchprodukten herausstellte.
Wir dachten uns, dass der schlimmste Teil der Strecke vorbei sei, und fuhren in eine “Wäscherei für Carlos” – wo eine Befreiung von geschätzten 50 kg Schlamm erfolgte. Doch die Asphaltstraße von der Stadt auswärts war nur ein kurzer Genuss und endete wiederum in zahlreichen Umleitungen und Schotterpisten. Nur dank des vortäglichen Fahrtrainings konnte Martin relativ problemlos die ca. 40 km Schlammpiste bewältigen. Wasserlöcher und viel aufgeweichtes Erdmaterial machten die Piste fahrtechnisch interessant und sehr anspruchsvoll. Ein Motorradfahrer lag in einem Schlammloch und einige Fahrzeuge hielten auf der Strecke um uns mitzuteilen, dass die Piste immer schlechter werden sollte. Ein spannender Fahrtag!
Später erfuhren wir von anderen Reisenden, dass die Routa 40 bereits am darauffolgenden Tag gesperrt wurde. 2013 wird die 40er vollständig asphaltiert sein – somit hatten wir nochmals Glück? die ursprüngliche Abenteuerstrecke befahren zu können.