Es war bereits finster als wir die Grenzformalitäten in Kolumbien erledigten. Ein freundlicher Grenzbeamter nahm sich Zeit um gemeinsam mit uns wieder die notwendige temporäre Einfuhrgenehmigung des Fahrzeuges auszustellen. Auch wo wir am nächsten Morgen unsere verpflichtende Versicherung (SOAT) für das Fahrzeug kaufen könnten und wo wir sicher die erste Nacht verbringen sollten, erklärte er uns ausführlich. Nach dem langen Fahrtag waren wir dankbar für die Geduld und die Vorschläge des Beamten. Bald rollte unser Carlos auf kolumbianischem Boden zu seinem ersten Übernachtungsplatz, dem Parkplatz eines nahe gelegenen Hotels. Für 30.000! kolumbianische Pesos durften wir nicht nur die Nacht hier verbringen, sondern auch ein frisch geputztes Badezimmer mit Warmwasser benutzen. Bei einem Betrag von 30.000 würde man sofort an eine Nobelherberge mit jeglichem erdenkbaren Luxus denken – doch bei einem Umrechnungskurs von etwa 2.400 Pesos pro € wird das ganze wieder etwas relativiert.
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Am nächsten Morgen standen wir zeitig auf und fuhren in die nahe Grenzstadt Ipiales. Bei einer nächtlichen Zusammenräumaktion war leider unser Zettel mit der Adresse des Versicherungsbüros verschwunden – durchfragen stand wieder einmal auf dem Programm. Doch schon bald bot ein hilfsbereiter, englisch sprechender Mann seine Dienste an, leitete Martin zum Büro und wenig später hatten wir die SOAT in der Hand. Er stellte sich als Besitzer eines privaten Englischinstitutes vor und lud uns ein, seine Schule zu besuchen. Schüchtern wurden wir von den Schülern in Englisch über unsere Reise befragt. Leider mussten wir eine Einladung für den Abend ablehnen, da uns nicht mehr viel Zeit blieb und noch ein tolles Land darauf wartete, von uns entdeckt zu werden.
Wir besichtigten die nur knapp 7 km südöstlich von Ipiales gelegene Wallfahrtskirche “Las Lajas”, die spektakulär auf einer Brücke über einer tiefen Schlucht erbaut wurde. Sogar Martin, der normalerweise kein großer Freund von Gotteshäusern ist, brachte diese außergewöhnliche Konstruktion ins Staunen. Neben etlichen Ecuadorianern waren wir die einzigen ausländischen Touristen hier. Wir freuten uns über den schönen Start in Kolumbien und setzten unsere Reise über die Panamericana nach Norden fort. Auf den nächsten Kilometern wand sich die Hauptverkehrsader durch eine ebenso tolle Schlucht mit tiefen Abhängen. Bald wichen die letzten mulmigen Gefühle. In Pasto zweigten wir von der Panamericana Richtung Osten ab und erreichten bald die idyllische “Laguna de la Cocha”. Bunte Holzhäuschen, die an Schweizer Chalets erinnerten, zierten den von Schilf eingerahmten See. Nachdem wir uns noch mit einer frischen Forelle in einem der zahlreichen kleinen Restaurants stärkten, ließen wir uns mit einem kleinen Boot auf die Isla Corota führen. Die winzige Insel die noch von einem ursprünglichen Wald bewachsen war, stand unter Naturschutz und bot sich für einen schönen Nachmittagsspaziergang perfekt an. Nach diesem kleinen Ausflug verbrachten wir die Nacht ruhig direkt am Ufer. Abends plauderten wir noch mit einem französischen Paar im warmen Carlos und ließen uns einige Tipps für Kolumbien geben.
Motiviert durch die bisherigen positiven Erfahrungen in Kolumbien setzten wir am nächsten Tag unsere Reise Richtung Osten durch den Distrikt Putumayo fort. Bald endete der Asphaltbelag und die Straße wurde immer enger und steiler. Spektakulär wand sich die Piste durch den Nebelwald. Die beinahe bodenlosen Tiefblicke erinnerten uns an die “Todesstraßen in den bolivianischen Yungas”.
Auch die beträchtliche Anzahl an Kreuzen (vielleicht 100?) am Straßenrand, deutete hier auf ähnliche Verhältnisse hin. Nach den vielen Asphaltstraßen in Ecuador konnten wir diese Fahrt so richtig genießen – einfach großartig. Eine der Top-straßen auf unserer Reise in Südamerika. Nach einer beinahe fünfstündigen Fahrt bei der wir jedoch nur knappe 90 km zurücklegten erreichten wir das tropische Städtchen Mocoa auf etwa 1.000 hm. Unsere Köpfe brummten nach der ruckelnden und flotten Fahrt und so war es höchste Zeit eine Mittagspause einzulegen. In einem kleinen, jedoch viel besuchten Restaurant stärkten wir uns mit Tamales, einem in Bananenblättern zubereiteten Gericht aus Reis, geriebenen Mais und Huhn. Auch die Weiterfahrt auf der nun asphaltierten Straße stellte sich als landschaftlich erstklassig heraus. Tropische und subtropische Vegetation wucherte auf den zahlreichen Hügeln, die uns umgaben. Nun verstanden wir auch, dass sich dieses Gebiet ideal für die Guerillakämpfer der FARC anbot. In dem undurchdringlichen Dickicht und der unzugänglichen Landschaft konnte man sich wohl nach Belieben verstecken.